27. Mai 2022 Blutfreitag in Weingarten: Tausende bitten wieder um den Segen des Heiligen Blutes

 

Nachdem in den letzten zwei Jahren coronabedingt nur ein "Blutrittle" in kleinster Form in Weingarten gefeiert werden konnte, zog in diesem Jahr die Verehrung des Heiligen Blutes in gewohnter Form wieder Tausende nach Weingarten. Der Abend von Christi Himmelfahrt und der Blutfreitag selbst wurden so zu einem herzlichen Glaubensfest. Die Musikkapellen aus Brochenzell, Kehlen und Meckenbeuren reihten sich am Morgen des Blutfreitags ebenso in die größte Reiterprozession Europas ein, wie die Blutreitergruppen aus Kehlen, Liebenau und Meckenbeuren. In diesem Jahr waren erstmals auch Frauen hoch zu Ross dabei. Begleitet wurden die Reiterinnen und Reiter aus dem Schussental in der Stadt und durch das Ösch von Pfarrer Josef Scherer, Domvikar Dr. Peter Dückers und Pfarrer Andreas Gälle. Allen Mitgliedern der "Blutreiterfamilie" stand an diesem Blutfreitag die Freude ins Gesicht geschrieben: Im Rosenkranzgebet wurden im Ösch die Sorgen und Bitten vor Gott getragen; das frohe Spiel der Musiker in der Stadt unterstrich den Festcharakter dieses Tages. Den Segen des Heiligen Blutes durften neben den Blutreitern und Musikern auch zahlreiche Pilgerinnen und Pilger aus den Kirchengemeinden von Weingarten empfangen und mit nach Hause nehmen. In diesem Jahr erinnerte bei der Blutreitergruppe Meckenbeuren der Trauerflor an der Standarte an den im Jahr 2020 verstorbenen Blutreiter Dr. Josef Sauter - es war der erste Blutritt in gewohnter Form nach seinem Tod: Auf dem Ösch wurde seiner nochmals besonders im Gebet gedacht.

Festgast Abt German Erd vom Stift Stams in Tirol zeigte sich beeindruckt von der Einheit von Glauben und Tradition in Weingarten. „Da ist die ganze Farbigkeit und die viele Musik – und doch spürt man das Religiöse durch“, betonte er. Bereits am Abend von Christi Himmelfahrt eröffnete der Zisterziensermönch mit der Festpredigt die Feierlichkeiten des Blutfreitags. Er skizzierte darin die Erlösung des Menschen durch das Blut Jesu Christi als befreiende Botschaft – gerade in Zeiten des Kriegs in der Ukraine und der noch nicht überwundenen Pandemie. Erd rief dazu auf, „auch mit unserem Herzen auf den Pulsschlag Jesu zu hören und eine Herzlichkeit zu entwickeln, die die Funken der Liebe Gottes sichtbar werden lässt.“
Der baden-württembergische Minister für Soziales, Gesundheit und Integration, Manne Lucha, überbrachte die Grüße der Landesregierung in Weingarten und lobte die zweitägigen Feierlichkeiten. „Wir haben hier in Weingarten nach zweijähriger Pause wieder ein barockes Hochfest des gesellschaftlichen Zusammenhalts erlebt, einen waschechten Blutritt im besten Sinne, der tausende Menschen und Pilger be- und gerührt hat“, freute sich Lucha.

Mehr Informationen zu den Blutfreitagsfeierlichkeiten: www.st-martin-weingarten.de.

 

Aufzeichnung des SWR-Livestreams vom Blutfreitag 2022: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/friedrichshafen/blutritt-weingarten-2022-livestream-100.html


Bilder: Karl Gälle und andere